Droht ein Straßenbaustopp?
Strassen- und Tiefbau

Droht ein Straßenbaustopp?

Andreas Klose

Asphaltierte Straßen sind wichtige Lebensadern unserer modernen Welt. Allerdings entstehen bei der Verarbeitung von Asphalt giftige Dämpfe, die die Gesundheit der Bauarbeiter gefährden. Von daher kann man nur begrüßen, wenn der Gesetzgeber strengere Vorschriften zum Gesundheitsschutz plant. Doch droht jetzt ein Straßenbaustopp in Deutschland? Zumindest warnen die Verbände der Baubranche vor einer mangelhaften Verarbeitung des Asphalts, die sich aus der geplanten Regelung ergeben soll. Das klingt so, als müsse man Gesundheit gegen Infrastruktur abwägen. Doch das darf es natürlich nicht sein.
Das Problem geht von dem Bitumen aus, das als Bindemittel zwischen Asphalt und Gesteinskörnung dient und eigentlich vor rund 40 Jahren als gesundheitlich unbedenkliche Alternative den krebserregenden Teer ersetzte. Jetzt gilt dieser Stoff als Gesundheitsschädlich. Genau genommen seine Ausdünstungen. Aus diesem Grund soll der Grenzwert auf 1,5 Milligramm pro Kubikmeter neu festgelegt werden. Dieser wäre ab 2020 verbindlich. Zurzeit werden 8 bis 12 Milligramm pro Kubikmeter freigesetzt. Um den neuen Grenzwert zu erreichen, bedarf es umfangreicher technischer Maßnahmen, die innerhalb dieser wenigen Wochen von der Bauindustrie, so deren Statement, nicht umgesetzt werden können. Deren Verbände fordern daher eine Übergangsfrist von acht Jahren.
In einem offenen Brief prophezeien die Verbände Düsteres. Sollte der Grenzwert planmäßig kommen, könnten keine Straßen mehr gebaut werden. „Wenn jetzt der Arbeitsplatzgrenzwert von 1,5 Milligramm pro Kubikmeter beschlossen wird, müssten wir fast den gesamten Straßenbau einstellen", so die Aussage.
Die Gewerkschaft kann das allerdings nicht nachvollziehen. Dietmar Schäfers, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft IG BAU, widerspricht den Verbänden: "Die Diskussion ist ja nicht plötzlich nachts vom Himmel gefallen, sondern man diskutiert das Thema schon seit längerer Zeit. Alle waren beteiligt, deswegen bin ich ein bisschen überrascht über die Panikmache, die da plötzlich passiert. Ich denke, da wird man jetzt eine vernünftige Regelung finden, nur acht Jahre sind zu lang."
Man kann nur hoffen, dass ein vernünftiger Kompromiss zeitnah beschlossen wird. Diesen versucht man jetzt im Ausschuss für Gefahrstoffe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zu finden, in dem Experten, Arbeitgeber und Gewerkschaften an einem Tisch sitzen.
 

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